Die beiden grundlegenden Kategorien politischer Maßnahmen zur Reaktion auf den anthropogenen Klimawandel sind einerseits der vorbeugende Klimaschutz (Mitigation) und andererseits die Klimaanpassung (Adaption) (Füssel und Klein, 2006; Stehr und von Storch, 2006).

Ziel politischer Maßnahmen im Bereich vorbeugender Klimaschutz ist die Begrenzung des Klimawandels durch die Reduzierung von Treibhausgasemissionen (THG) und die Förderung sogenannter THG-Senken.

Ziel politischer Maßnahmen im Bereich Klimaanpassung ist es, in erster Linie die unvermeidbaren, negativen Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren. Richtlinien und Maßnahmen sind dabei auf das jeweilige empfindliche System ausgerichtet, d.h. Veränderungen in menschlichen Systemen als Reaktion auf den tatsächlichen oder erwarteten Klimawandel (IPCC 2001b). Zur Klimaanpassung gehören häufig auch Richtlinien und Maßnahmen, die angewandt werden, um Chancen zu nutzen, die sich möglicherweise durch den Klimawandel ergeben haben. Weiterführende Informationen zum vorbeugenden Klimaschutz und zur Klimaanpassung sowie zu den wesentlichen Unterschieden zwischen diesen beiden Kategorien finden Sie in Tabelle 1.

Tabelle 1. Wesentliche Unterschiede zwischen Maßnahmen in den Bereichen Klimaanpassung und vorbeugender Klimaschutz (Füssel und Klein, 2006)

 

Klimaschutz

Anpassung an den Klimawandel

Begünstigte Systeme Alle Systeme Ausgewählte Systeme
Umfang der Auswirkung Global Lokal bis regional
Lebensdauer Jahrhunderte Jahre bis Jahrhunderte
Vorlaufzeit Jahrzehnte Sofort bis Jahrzehnte
Effektivität Sicher Allgemein weniger sicher
Zusätzliche Vorteile Manchmal Meistens
Verursacherprinzip Typischerweise ja Nicht unbedingt
Vorteile des Kostenträgers Nur wenige Nahezu vollständig
Überwachung Relativ einfach Schwieriger

 

Vorbeugender Klimaschutz (Mitigation)

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Merkmalen leiden die politischen Optionen im Bereich vorbeugender Klimaschutz unter dem sogenannten Gefangenendilemma. Damit die Maßnahmen des vorbeugenden Klimaschutzes auch effektiv sind, müssen viele Akteure die Emissionen auf globaler Ebene reduzieren. Senken jedoch nur wenige Akteure ihre Emissionen, so werden die Auswirkungen oder Vorteile nur gering sein. Zudem besteht Unsicherheit darüber, in welchem Umfang und mit welcher Geschwindigkeit die THG-Emissionen reduziert werden müssen, um das Fortschreiten des globalen Temperaturanstiegs aufzuhalten. Das Strengste der sechs Stabilisierungsszenarien, die der UN-Klimarat (IPCC) in seinem vierten Synthesebericht bewertet hat, legt eine Konzentration zwischen 445 und 490 ppm CO2 eq in der Atmosphäre zugrunde (IPCC, 2007b ), um den Temperaturanstieg auf 2°C zu begrenzen. Dazu müssen die THG-Emissionen spätestens 2015 ihren Höhepunkt erreicht haben und anschließend bis 2050 drastisch um 50 bis 85% gegenüber den Niveaus des Jahres 2000 zurückgehen. Auch wenn dieser Wert nicht erreicht wird und die THG-Konzentration auf einem höheren Niveau stabilisiert wird, müssen die Emissionen erheblich gesenkt werden.

Klimaanpassung (Adaption)

Burton et al. (2006) haben die Ergebnisse mehrerer lokaler Fallstudien zur Klimaanpassung zusammengetragen und daraus neun Handlungsempfehlungen und -grundsätze abgeleitet:

• Sofortige Anpassung an den Klimawandel,
• Klimaanpassung ist ein Entwicklungsprozess,
• Klimaanpassung kommt uns selbst zugute,
• Internationale Finanzhilfen sind notwendig,
• Institutionen stärken,
• Beteiligung derjenigen, die gefährdet sind,
• Verwendung bereichsspezifischer Ansätze,
• Informationsangebot, Bewusstsein und Fachwissen erweitern, und
• Klimaanpassung ist lokal ausgerichtet.

Einige dieser Erkenntnisse sind in die partizipatorische Verwundbarkeitsanalyse eingeflossen, die für das Projekt BalticClimate verwendet wurde.