Die ersten beiden Elemente der Verwundbarkeit - Gefährdungsgrad und Empfindlichkeit - sind in einer systemischen Darstellung nur schwer voneinander trennbar (Abbildung 1). Sie werden von der Interaktion innerhalb des Systems und den Auswirkungen klimatischer Stressoren bestimmt (Smit und Wandel, 2006).

Der Gefährdungsgrad beschreibt, mit welchen Risiken man konfrontiert wird und wie stark ein System dadurch gestresst ist. Der Schweregrad des Stresses wird oftmals daran gemessen:

• wie stark (Ausmaß),
• wie oft (Häufigkeit),
• wie lange (Dauer), und
• wo (räumliche Abgrenzung) ein klimatisches Ereignis auftritt.

Ein System ist niemals nur einem klimatischen Reiz ausgesetzt, selbst wenn diese Sichtweise eine Analyse vereinfachen würde. Werden multiple Stressoren nicht berücksichtigt, besteht automatisch das Risiko, dass die Verwundbarkeit unterschätzt wird. Bezieht man jedoch andere Stressoren mit ein, geht die analytische Aussagekraft verloren. Es lässt sich jedoch ein Gleichgewicht herstellen. Wir haben festgestellt, dass es in der praktische Anwendung am besten ist, alle Faktoren zu erfassen, die vom Klimawandel erzeugte Herausforderungen und Chancen verursachen. Dies schafft eine Grundlage für weitere Analysen und den Kontext, für eine Bewertung der Verwundbarkeit. Mit Hilfe dieses aus verschiedenen Stressoren zusammengesetzten Bezugsrahmen können dann zielgerichtete Risikobewertungen durchgeführt werden.

Der doppelte oder multiple Gefährdungsgrad untersucht, wie verschiedene globale Prozesse die Bedingungen tatsächlich beeinflussen und den Raum für Maßnahmen auf lokaler Ebene formen (O’Brien und Leichenko, 2000). Durch die Verwendung eines doppelten oder multiplen Gefährdungsgrades, können die Auswirkungen globaler Prozesse auf die loakle Ebene analysiert werden. Dabei werden sowohl die Auswirkungen des Klimawandels als auch die Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung berücksichtigt.


Bei der Anwendung eines multiplen Gefährdungsgrades werden die wichtigsten klimatischen und nicht-klimatischen Stressoren bestimmt. Die sozioökonomischen Prozesse (nicht-klimatische Stressoren) werden in der Regel in ökonomische, politische, technische und demographische Veränderungsprozesse unterteilt.

 

Abbildung 1. Die Verwundbarkeit und ihre Bestandteile (Australian Greenhouse Office, 2005)

Die Empfindlichkeit beschreibt, in welchem Ausmaß die Stressoren das untersuchte System tatsächlich verändern oder beeinflussen. Eine Analyse der Empfindlichkeit, der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Sektoren oder Bereiche, wird in der Regel als Teil einer umfassenden Verwundbarkeitsanalyse durchgeführt. Es hat sich herausgestellt, dass eine ökonomische Perspektive nicht immer den besten Blickwinkel für die Analyse der Empfindlichkeit darstellen.

Klimaanpassung an sich ist themenübergreifend und die Unterschiede innerhalb eines Themenbereiches sind in der Regel größer als die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Themen. Dementsprechend sollte die Empfindlichkeit direkt für „wichtige“ soziale, demographische oder räumliche Probleme untersucht werden. Studien haben gezeigt, dass auf diesem Wege ausführlichere Beschreibungen über die derzeitigen gesellschaftlichen Auswirkungen gewonnen werden, und zugleich ein umfassenderes Bild darüber gewonnen wird, wie sich der Klimawandel in Zukunft auf die Gesellschaft auswirken könnte. Darüber hinaus ist es wichtig, die Ursachen zu untersuchen, die die Empfindlichkeit auf lokaler Ebene beeinflussen. In Schweden erhöht zum Beispiel die Konzentration der Bevölkerung auf wenige, vorwiegend an den Küsten gelegene Wirtschaftszentren die Empfindlichkeit gegenüber Hochwasser. Wird keine Anpassung vorgenommen, nimmt die Verwundbarkeit zu.

Das dritte Element der Verwundbarkeit, die Anpassungsfähigkeit, beschreibt die Fähigkeit eines Systems, sich an den Klimawandel anzupassen, um potentielle Schäden abzumildern, Chancen zu nutzen oder die Folgen zu bewältigen (IPCC, 2001b). Dazu gehören auch Aspekte wie Sozialkapital, Governance und die Nutzung gewonnener Erfahrungen im institutionellen Sinne. Hinsichtlich der Anpassungsfähigkeit gibt es einen externen und einen internen Ansatz (Smit und Wandel, 2006).

Der externe Ansatz geht davon aus, dass die Anpassungsfähigkeit im Wesentlichen durch Faktoren bestimmt wird, die sich der Kontrolle des Systems entziehen. Diese Studien vergleichen häufig auf Grundlage statistischer Analysen, die relative Anpassungsfähigkeit von Ländern, Regionen oder Räumen generell.

Im Gegensatz dazu werden interne Analysen auf der Mikroebene durchgeführt. Dabei wird untersucht, wie unterschiedliche Organisationen mit Klimaanpassung umgehen und wie soziales Lernen durch diese praktischen Erfahrungen verbessert werden kann. Fehlende Gesetze und Regelungen auf nationaler Ebene, eine unklare Aufgabenverteilung, die ungewohnte Zusammenarbeit über mehrere Ebenen hinweg und mit nichtöffentlichen Akteuren, die Unfähigkeit Materialien zu interpretieren und eine zu unstrukturierte und willkürliche Dokumentation von Erfahrungen (Storbjörk, 2007; Glaas et al., 2010) sind alle als Hindernisse für die Klimaanpassung identifiziert worden. Das BalticClimate Rahmenwerk verknüpft externe und interne Ansätze, indem die Anpassungsfähigkeit systematisch von beiden Standpunkten aus behandelt wird.